Prävention und Früherkennung
Prostatakrebs-früherkennung
druckenKein Konsens beim Thema Früherkennung
Seit einigen Jahren ist in Luxemburg der Prostatakrebs zur häufigsten Krebsart bei Männern geworden und hat dabei den Lungenkrebs abgehängt.
Warum gibt es eine solche Steigerung von Prostata-Krebserkrankungen? Die Antwort fällt eher simpel aus: Es gibt heute wahrscheinlich nicht viel mehr als früher, aber sie lassen sich heute leichter erkennen dank einer einfachen Blutanalyse, die Aufschluss gibt über ein mehr oder weniger erhöhtes Vorkommen des PSA (=Prostataspezifisches Antigen). Diese Früherkennungsmethode schlagen Ärzte ihren Patienten ab einem Alter von 50 Jahren häufig vor.
Es mag normal erscheinen, dass jeder Mann, der darauf hingewiesen wird, dazu neigt, solch einen Test zu machen, um eine eventuelle Krebserkrankung so früh wie möglich zu erkennen, um diesen dann zu heilen.
Leider ist die Sache nicht so einfach.
Kein Konsens über die Nützlichkeit dieser Früherkennung
Wozu dient eine systematische Früherkennung einer Krebsart (Früherkennungsuntersuchung für eine breite Bevölkerungsschicht ohne offensichtliche Symptome)? Eine solche Früherkennung dient dazu, die Mortalitätsrate dieser speziellen Krebsart zu reduzieren, d.h. dass das Leben dieser Personen dank der eingeleiteten medizinischen Behandlungen verlängert wird. Dies konnte jedoch noch nicht belegt werden bei der Prostatakrebs-Früherkennung mittels PSA-Test.
Folglich gibt es auch in der ärztlichen und wissenschaftlichen Gemeinschaft noch keinen Konsens. Erst Untersuchungen, die derzeit im Gang sind, die sich der massenhaften Früherkennung widmen, werden die Debatte beenden.
Es zeigt sich, dass mehr als die Hälfte der Prostata-Tumoren, die man jährlich bei Männern zwischen 55 und 67 findet, nicht aggressiv sind. Sie wären auch nicht entdeckt worden oder als störend zu Tage getreten ohne Früherkennung. Die Entwicklung eines Prostatakarzinoms kann beträchtlich variieren von einem harmlosen Stadium (sehr langsam, keine Manifestation) bis zu einem fatalen Stadium, ohne dass man zur Zeit diese Entwicklung voraussagen könnte.
Wird ein Krebs entdeckt, liegt es auf der Hand, dass er behandelt werden wird. Das Risiko einer "Überbehandlung" ist oft unvermeidbar. Eine Behandlung, die die Geschlechtsorgane verstümmelt steht oft in keinem Verhältnis zur Lebenserwartung oder zum Grad der Aggressivität des Krebses, ebensowenig wie eine stark verminderte Lebensqualität resultierend aus Ängsten, bis hin zu einer eventuellen Inkontinenz oder Impotenz aufgrund des chirurgischen Eingriffs.
Aber Vorsicht - es gibt auch aggressive Prostatakarzinome, die, sobald sie entdeckt sind, so schnell wie möglich behandelt werden müssen. Die Hauptschwierigkeit ist, dass es im Moment unmöglich ist, die aggressiven Karzinome von den anderen zu unterscheiden.
Dennoch: Praktisch die Hälfte der Männer wird im Laufe ihres Lebens einen Prostatakrebs bekommen; die Mehrheit wird davon allerdings ohne Früherkennung keine Kenntnis erlangen und an einer anderen Todesursache sterben. Ganz grob kann man sagen, dass es nur eine kleine Minderheit aggressiver, und daher gefährlicher Prostatakarzinome gibt. Deren Behandlung ist auf jeden Fall angebracht. Auf der anderen Seite gibt es eine große Mehrzahl von wenig aggressiven Prostatakarzinomen, die keiner Behandlung bedürfen, auch deshalb nicht, weil sie sich nicht entwickeln. Das Problem wird letztlich dann gelöst sein, wenn ein Test oder eine Methode existiert, die es emöglichen, den Grad der Aggressivität festzustellen.
Man kann zur Zeit sagen: ohne familiären Vorbelastungen gibt es kein schlagkräftiges Argument, eine Empfehlung für eine systematische jährliche Untersuchung auszusprechen oder davon abzuraten. Mangels Sicherheit und wissenschaftlicher Einigkeit handelt es sich um eine Frage der persönlichen Wahl. Sehr wohl ist es jedoch angebracht, die Männer über die Vorteile und die Risiken ihrer Wahl zu informieren.
Schlussfolgerungen:
Zumindest sollten die Männer aber darüber informiert sein:
- dass es bei einem Test das Risiko eines falschen Resultats gibt (falsch-positiv, falsch-negativ)
- dass man zur Zeit nicht weiβ, ob eine Früherkennung als Regel die Zahl der Todesfälle durch diesen Krebs reduzieren wird
- dass sich die Experten unter sich nicht einig sind, ob man eine Früherkennung empfehlen sollte oder nicht.
Bevor Sie sich einer Prostatakrebs-Früherkennung unterziehen, sollen
Sie sich gut die Vor- und Nachteile der Früherkennung überlegen.
Die aktuellen Erkenntnisse erlauben es nicht, eine Prostatakrebs-Früherkennung in groβflächigem Stil zu empfehlen.
Die Männer sollten sich daher bei ihrem jeweiligen Arzt gut informieren, um eine aufgeklärte Wahl zu treffen.
Mehr Infos:
PSA-Test: Sinnvoll oder nicht?
National Cancer Instituts (USA) (in Englisch)
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